Häufig gestellte Fragen zum Chen Tao Wushu

Inhaltsverzeichnis

  1. Wie gehören Chen Tao Wushu und die anderen Kampfstile zusammen?
  2. Wie läuft ein Chen Tao Wushu Training ab?
  3. Von wem kann Chen Tao Wushu trainiert werden?
  4. Wo kann man Chen Tao Wushu überhaupt trainieren?
  5. Gibt es Beziehungen zu anderen Vereinen und Verbänden?
  6. Was kostet Chen Tao Wushu und was benötigt man dafür?
  7. Wird Chen Tao Wushu auch Wettkampfsport betrieben?
  8. Kann man sich mit Chen Tao Wushu selbstverteidigen?
  9. Gibt es Gürtelprüfungen im Chen Tao Wushu und in welchen Abständen erfolgen sie?
  10. Warum werden im Chen Tao Wushu überwiegend japanische Ausdrücke verwendet?
  11. Gibt es im Chen Tao Wushu Schulregeln wie die japanischen Dojokun?
  12. Welche Beziehungen bestehen zum Sifu Tze Prinz Dschero Khan Chen Tao Tze?
  13. Wird im Chen Tao Wushu auch mit Waffen trainiert?
  14. Kampfkunst (-sport) und Gewalt.

1. Wie gehören Chen Tao Wushu und die anderen Kampfstile zusammen?

Wie bereits unter 'Chen Tao Wushu' ausgeführt, ist Chen Tao Wushu nur ein Name für ein Übungssystem aus verschiedenen Teilbereichen der Kampfkunst von Sifu Tze Dschero Khan Chen Tao Tze (Gerard Karel Meijers). Dies sind zuvorderst Shaolin Kempô (Chen Tao Kempô), Chan Shaolim Si Kung Fu, Dju Su, Waffenkampf und Tai Chi Chuan.
Wir haben die Techniken und Übungsinhalte im Chen Tao Wushu nach logischen Kriterien strukturiert und in ein System eingebunden, das den Schüler von Anfang an kontinuierlich ausbildet. Es wurde eine repräsentative Auswahl bei den Formen und Partnerübungen getroffen und nach Schwierigkeitsgrad geordnet in das Prüfungsprogramm aufgenommen. Am Ende der Schülerausbildung steht dann die völlig freie Selbstverteidigung, bei der alle Techniken nach eigenem Ermessen zur Abwehr eines beliebigen Angriffs eingesetzt werden können.
Hinsichtlich der Kampfkunstformen ist zu sagen, dass sie der Inhalt eines fortwährenden Trainings sind, unabhängig von Gürtelgraden. Es gilt, die Formen im Rahmen der individuellen Möglichkeiten und auch Beschränkungen zu üben, zu verfeinern und sich damit auseinander zu setzen.
Zusätzlich werden die o. g. Teilbereiche Shaolin Kempô (Chen Tao Kempô) und Chan Shaolim Si Kung Fu auf der Grundlage der jeweiligen Ausbildungs- und Prüfungsprogramme trainiert; dies dient jedoch in erster Linie zur Verbreiterung der technischen Grundlage der Schüler und -innen. Dadurch wird aber auch eine bessere Basis für die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und Verbänden (DWF, WVNRW, W.M.A.A.-R.O.C.) ermöglicht. Bei entsprechendem Training können durch Gürtelprüfungen in den Teilsystemen zusätzliche Qualifikationen erworben werden.
Es muss jedoch noch mal ganz deutlich betont werden, dass es sich nach unserer Auffassung beim Shaolin Kempô (Chen Tao Kempô), Chan Shaolim Si Kung Fu, Dju Su und Tai Chi Chuan nicht um unterschiedliche Systeme oder Stile handelt, sondern sie sind unserer Meinung nach gleichberechtigte Teile der Kampfkunst von Sifu Tze Dschero Khan und ergänzen sich gegenseitig. Auch daher haben wir für unser Übungs- und Trainingssystem den Namen 'Chen Tao Wushu' gewählt.
Die ständigen Diskussionen, speziell in verschiedenen einschlägigen Internetforen, ob und unter welchen Voraussetzungen eine Kampfkunst als traditionell oder authentisch anzusehen ist, halten wir für entbehrlich, vorsichtig formuliert. Lebendige Kampfsysteme, und dazu zählt die Kampfkunst von Sifu Tze nach unserer Auffassung sicherlich, passen sich dem Praktizierenden an und nicht umgekehrt. Allzu starre Systeme gehen nach unserer Meinung an der Realität vorbei und haben mit Kampfkunst und Selbstverteidigung im 21. Jahrhundert nichts zu tun. Wir halten es auch für absonderlich, dass gerade in den Kampfkünsten häufig die Auffassung vertreten wird, alles, was alt ist, sei auch automatisch gut und in althergebrachten Schulen herrsche Geheimwissen vor, dass in anderen Schulen nicht vorhanden sei. Das ist nach unserer Meinung Humbug. Die Tauglichkeit eines Stiles oder einer Schule zum Kampf und zur Selbstverteidigung hängt nach unserem Verständnis in erster Linie davon ab, dass die Leute eine vernünftige Ausbildung in den grundlegenden Techniken erhalten haben, die heute wie früher darauf basieren sollte, dass die Menschen ihren Körper einsetzten können. Hokuspokus aus mittelalterlichen Märchen und neuzeitlichen Phantasien sind nach unserer Auffassung völlig fehl am Platz.
Wir glauben, mit dem Chen Tao Wushu in unserem Verein eine gute Trainingsmethode gefunden zu haben, die unseren Mitgliedern eine solide und möglichst umfassende Ausbildung in der Kampfkunst ermöglicht. Das lässt auch genügend Raum, andere Stile oder Systeme kennenzulernen und auszuprobieren. Starre Vorgaben, insbesondere Mindestwarte- oder -trainingszeiten, halten wir für unpassend, weil sie die Entwicklung und den Fortschritt des Einzelnen gegenüber den Formalien einengen und zurückdrängen. Unser Trainings- und Übungsprogramm ist so beschaffen, dass die technischen Anforderungen hinsichtlich Quantität und Qualität automatisch auch einen gewissen zeitlichen Rahmen mit sich bringen und eine bestimmte Trainingsintensität erfordern. Weitergehende Regelungen sind für uns nicht nötig.
 

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2. Wie läuft ein Chen Tao Wushu Training ab?

Das Chen Tao Wushu Training läuft im Wesentlichen genauso ab wie in den meisten asiatischen Kampfsportarten. Wir beginnen mit einer kurzen Meditation im Sitzen (jap.: Za-zen, chin. T'sou Chan), woran sich Qi Gong Übungen und die allgemeine Gymnastik anschließen. Bei der Gymnastik passen wir uns der aktuellen Trainingslehre an. Nach den Übungen zur Kräftigung der Muskulatur, zur Verbesserung der Beweglichkeit und zur Stärkung von Herz und Kreislauf schließt sich das eigentliche Kampfkunsttraining mit dem Grundschultraining, in dem die wesentlichen Arm- und Beintechniken ausgiebig geübt werden, den Partnerübungen mit den Selbstverteidigungsaspekten und dem Formen- und Kampftraining an. Zum Abschluss erfolgt wieder eine kurze Meditation im Sitzen. Zu diesem Standardtraining findet je nach Interesse und Leistungsstand der Übenden noch ein Vertiefungstraining in verschiedenen Disziplinen statt. Weitere Angaben sind unter 'Training' zu finden.

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3. Von wem kann Chen Tao Wushu trainiert werden?

Chen Tao Wushu kann grundsätzlich von jedem, ob alt oder jung, Mann, Frau oder Kind ausgeübt werden. Lediglich Menschen mit gesundheitlichen Schäden sollten vorher ihren Arzt konsultieren. Im Training wird auf die individuellen Möglichkeiten Rücksicht genommen, so dass Anfänger anders belastet werden als Fortgeschrittene, und ältere anders als jüngere. Durch diese Trainingskonzeption ist Chen Tao Wushu grundsätzlich für jeden erlernbar, der gewillt ist, ernsthaft zu trainieren. Nähere Einzelheiten sind unter 'Kindertraining' und 'Senioren' zu finden. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass in unseren Gruppen Männer und Frauen, Jungen und Mädchen gleichberechtigt miteinander trainieren. Daher haben wir keine separaten Frauen- und Mädchengruppen oder Seniorengruppen.

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4. Wo kann man Chen Tao Wushu überhaupt trainieren?

Chen Tao Wushu kann man mit unterschiedlicher Zielsetzung und unterschiedlichen Schwerpunkten und auch Bezeichnungen in vielen Vereinen und Schulen in Nordrhein-Westfalen lernen, die konkreten Übungsinhalte hängen allerdings stark von den jeweiligen Lehrern ab. Eine Auflistung der Chen Tao Wushu Vereine findet man unter 'Links'.
Im Kwoon Kerken-Geldern e. V. wird Kampfkunst nicht professionell oder kommerziell betrieben, sondern engagiert in unserer Freizeit. Dies ermöglicht zwar relativ geringe Mitgliedsbeiträge, macht aber auch abhängig von den Öffnungs- und Trainingszeiten der kommunalen Sportstätten. Wer flexible Trainingsmöglichkeiten und -zeiten, Privat- oder Einzelunterricht sucht, ist in kommerziellen Kampfkunstschulen richtiger aufgehoben.
Es ist aber nach unserer Auffassung ein Trugschluss von der Organisationsform auf die Qualität des Trainings und der Ausbildung zu schließen.

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5. Gibt es Beziehungen zu anderen Vereinen oder Verbänden?

Der Kwoon Kerken-Geldern e. V. ist ein eigenständiger, gemeinnütziger Verein und Mitglied des Wushuverbandes Nordrhein-Westfalen (Landesverband) und der Deutschen Wushu Federation (Bundesverband). Beide Verbände sind Fachverbände für chinesische Kampfkunst- und -sportarten. Über diese Verbandsmitgliedschaft besteht dann auch eine Mitgliedschaft im Landessportbund NRW und im Dachverband für Budotechniken NRW.
Darüber hinaus sind die Schwarz- und Farbgurte des Kwoon Kerken-Geldern e. V. auch Einzelmitglieder der World Martial Arts Association, die ihren Sitz in Taipeh/Taiwan (ROC) hat. Durch diesen Weltverband mit den Repräsentanten Sifu Tze Dschero Khan Chen Tao Tze und Shihan Toni Finken-Schaffrath, bestehen auch wieder Kontakte zu anderen Vereinen und Verbänden.
Der Kwoon Kerken-Geldern e. V. hat freundschaftliche Beziehungen zu verschiedenen Vereinen, die Shaolin Kempô (Chen Tao Kempô), Chuan Su Pok Kek Kune, Chan Shaolim Si Kung Fu oder andere verwandte Kampfstile betreiben. Aufgrund dieser Kontakte ergeben sich dann unterschiedliche gemeinsame Aktivitäten.

Der Kwoon Kerken-Geldern e. V. ist im Wushuverband Nordrhein-Westfalen und dort seit Mitte 2010 in der Fachschaft Chen Tao Wushu organisiert. Die Fachschaft Chen Tao Wushu ist aus der Kampfkunstgemeinschaft Chen Tao Wushu hervorgegangen, die schon seit den 90er Jahren bestand und ursprünglich kein Verband oder ähnliches war, sondern nur ein Freundeskreis um Hans Stresius, Florian Hahn, Karl-Dieter Alletter, Christoph Lemm und Frank Olislagers, der die Kampfkunst von Sifu Tze fördern, erhalten und gemeinsam trainieren wollte. Es gab keine Organisationsstruktur, Beiträge, Vorstände, Satzungen oder dergleichen, sondern nur regelmäßige Trainingstreffen, Lehrgänge und gemeinsame Gürtelprüfungen. Durch eine Vielzahl von organisatorischen und personellen Änderungen im Wushuverband NRW erschien es sinnvoll und angebracht, diesen Freundeskreis in eine im Wushuverband NRW verwurzelte Organisationsstruktur umzuwandeln. Wie für andere Kampfstile oder -systeme bot sich hierzu die Gründung einer Fachschaft an, was nach langem Hin und Her Mitte 2010 vollzogen werden konnte.

Die Mitgliedschaft in Fachverbänden wird zwar von einigen Kampfkünstlern mit durchaus nachvollziehbaren Argumenten kritisch gesehen, ist aber unserer Meinung nach aufgrund der Vergabepraxis von Trainingszeiten in öffentlichen Sportstätten und der haftungsrechtlichen Risiken beim Trainingsbetrieb ohne wirkliche Alternative. Durch die Mitgliedschaft im Fachverband ist eine Mitgliedschaft im Landessportbund NRW und der Sporthilfe NRW e. V. gesichert, die in fast allen Fällen Voraussetzung für die Zuteilung von Trainingszeiten in öffentlichen Sportstätten sind. Wen das alles nicht interessiert, der kann unserer Meinung nach durchaus Kampfkunst auf hohem Niveau im heimischen Wohnzimmer oder Garten betreiben.

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6. Was kostet Chen Tao Wushu und was benötigt man dafür?  

Auch das ist von Verein zu Verein verschieden. Die Vereine, die als Abteilung in einem größeren Sportverein organisiert sind, haben meist den Vorteil eines niedrigeren Beitrages, haben dafür aber auch nur ein Budget im Rahmen des Gesamtvereins und sind an die Entscheidungen des Gesamtvereins gebunden. Bei den Vereinen, die im Rahmen des Hochschulsportes organisiert sind, fallen Beiträge meistens semesterbezogen an und sind ebenfalls relativ niedrig.
Die eigenständigen Vereine haben aus den Mitgliedsbeiträgen sämtliche Ausgaben zu bestreiten und erhalten in den meisten Fällen keine öffentlichen Zuschüsse. Die Beiträge des Kwoon Kerken-Geldern e. V. sind unter
'Kwoon' aufgeführt.
Wie die meisten anderen Kampfsport- und Kampfkunstarten auch ist Chen Tao Wushu kein "Ausrüstungssport" und daher relativ preisgünstig. Neben dem Kampfanzug, der in einfacher Qualität zwischen 30,- € und 50,- € kostet und für Anfänger völlig ausreichend ist, benötigt man zumindest während der ersten Jahre kaum irgendwelche Zusatzausrüstung.

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7. Wird Chen Tao Wushu auch als Wettkampfsport betrieben?
Grundsätzlich gehört Wettkampfsport nicht zu unseren erklärten Zielen, kann aber bei Interesse und Eignung durchaus in einzelnen Vereinen betrieben werden und ist in der Vergangenheit auch schon mit Erfolg betrieben worden. Dennoch ist der Wettkampfsport nur für einen verhältnismäßig kleinen Teil der Trainierenden von wirklichem Interesse und spielt daher im Kwoon Kerken-Geldern e. V. auch keine allzu große Rolle.
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8. Kann man sich mit Chen Tao Wushu selbstverteidigen?

Das ist eine mehr als heikle Frage und nur schwer zu beantworten, weil die Fähigkeit zu Selbstverteidigung unserer Auffassung nach in erster Linie nicht nur von den Kampftechniken und -methoden abhängt, sondern ganz entscheidend vom Willen des Einzelnen, sich wirklich zu verteidigen geprägt ist. Dieser Wille einhergehend mit der entsprechenden Persönlichkeit ist bei manchen Menschen von Geburt bzw. von Kindesbeinen an vorhanden; diese Menschen haben es dann mit Hilfe der Techniken aus dem Chen Tao Wushu Training "verhältnismäßig" leicht, sich wirksam zu verteidigen. Bei denjenigen, die diesen Willen zur Selbstverteidigung nicht so ausgeprägt ist, muss dieser erst durch Training 'erworben' werden; erst dann und durch die damit einhergehenden Entwicklung einer entsprechenden Persönlichkeit sind die Techniken aus dem Chen Tao Wushu Training wirksam in der Selbstverteidigung einsetzbar.
Auf einen kurzen Nenner gebracht, kann man sagen, dass die Techniken des Chen Tao Wushu dann wirksam zur Selbstverteidigung eingesetzt werden können, wenn die grundsätzlichen persönlichen Voraussetzungen für eine Selbstverteidigung vorhanden sind, diese können angeboren oder erworben sein.
Egal, wie realistisch das Selbstverteidigungstraining in der Sporthalle auch betrieben wird, es ist und bleibt immer nur ein Training. Wir versuchen, auch auf der Basis unserer eigenen Erfahrungen, unsere Schüler körperlich wie geistig auf eine reale Selbstverteidigungssituation vorzubereiten, aber mehr als vorbereiten können wir nicht.

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9. Gibt es Gürtelprüfungen im Chen Tao Wushu und in welchen Abständen erfolgen sie?

Wie in vielen anderen Kampfstilen auch, haben wir im Chen Tao Wushu das japanische bzw. europäisch/amerikanische System der Gürtelstufen und -farben übernommen und unseren Bedürfnissen angepasst. Es gibt 10 Schüler- und mehrere Meistergrade.
Die Schülergrade gliedern sich in 5 Anfängerstufen mit dem weißen Gürtel und 5 Fortgeschrittenenstufen mit unterschiedlichen farbigen Gürteln von gelb bis braun; die Meistergrade sind Schwarzgurtstufen.
Obwohl viele Kampfkünstler oder -sportler gerade auch die Höhe der Meistergrade als das allein Glücklichmachende ansehen, sind sie für uns eher eine Verantwortungsstufe. Wirklich wichtig ist nach unserer Auffassung das Training und nicht, wie viele rote Balken auf einem schwarzen Gürtel sind.
Während in den Schülergraden noch das Kennenlernen und Erlernen der technischen Grundlagen sowohl bei den Partnerübungen als auch bei den Formen vorrangiges und auch prüfbares Ziel ist, sind die Meisterstufen der Perfektionierung und Individualisierung der Kampftechniken, der Beschäftigung mit den theoretischen und philosophischen Grundlagen der Kampfkünste sowie der Vermittlung der Kampfkunst an die nächste Generation gewidmet.
Insofern sind für uns die Diskussionen um die Höhe der Meistergrade, die zeitlichen Abstände zwischen ihnen sowie die verschiedenen Anerkennungsformen entbehrlich und der Kampfkunst abträglich. Für uns gilt: je höher der Meistergrad, desto höher die Verantwortung für die Schülerausbildung und den eigenen Trainingsstand. Die üblichen Diskussionen, die gerade auch im Internet teilweise mit missionarischem Eifer geführt werden, sind für uns ein deutliches Zeichen des Neides, der Eitelkeit und der geistigen Unreife. Diese Attribute stehen unserer Meinung nach nicht im Einklang
mit einer traditionellen Kampfkunstauffassung.
Wer außerhalb unseres Vereins welchen Meistergrad in welcher Höhe von wem in welchem Stil und in welcher Zeit bekommen hat, ist für uns und unser Training nicht wichtig und interessiert uns daher nicht.
Wir halten auch die Festlegung von Mindesttrainingszeiten und -wartezeiten im Schülerbereich für entbehrlich, weil sie ein zu starres Bewertungssystem erfordern. Bei uns gilt: wer die Anforderungen erfüllt, kann Prüfung machen, wer nicht, nicht. Es gibt sicherlich Erfahrungswerte hinsichtlich der zeitlichen Abstände und der Trainingsdauer, bis diese oder jene Graduierung erreicht ist, aber diese Erfahrungswerte zu formulieren, bedeutet immer auch, ein Zeittableau aufzustellen, das gegenüber den Inhalten einen gewissen Vorrang haben kann. Das halten wir für grundsätzlich falsch, zumal so suggeriert werden kann, das etwas, was lange dauert, auch gut und vor allen Dingen anderen überlegen ist. Häufig dient dieses Verhalten nur dazu, die "Überlegenheit" bestimmter hohe Schwarzgurte, System- oder Schulbegründer und ihrer Systeme zu behaupten. Damit haben wir nichts zu tun.
Eine Ausnahme bilden die Schwarzgurtprüfung auf Landesverbandsebene; dort sind zeitliche Mindestabstände zwischen den einzelnen Graduierungen vorgegeben und einzuhalten. Das ist unserer Meinung nach auf dieser Stufe auch kein Problem.
Alles nähere zu den einzelnen Schülergraden kann man im
Prüfungsprogramm unter 'Chen Tao Wushu' nachlesen.

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10. Warum werden im Chen Tao Wushu überwiegend japanische Ausdrücke verwendet?

Die japanischen Ausdrücke stammen aus den Anfängen des Shaolin Kempô und wurden bei der Konzipierung des Chen Tao Wushu übernommen. Es werden gerade die Grundtechniken in japanisch bezeichnet, für andere Techniken gibt es ein teilweise recht buntes Sprachgemisch aus anderen asiatischen Ausdrücken. Es gab im Chen Tao Wushu auch den Ansatz, für alle Techniken nur noch deutsche Ausdrücke zu verwenden; diese Bestrebungen setzten sich aber nicht durch. In einzelnen Vereinen und Gruppierungen ist man dann vor Jahren dazu übergegangen, die japanischen Ausdrücke und das Sprachgemisch durch chinesische Ausdrücke zu ersetzen. Auch das setzte sich nicht flächendeckend durch.
Unabhängig davon haben sich die japanischen Ausdrücke in vielen Kampfstilen und -systemen als eine Art "Universalsprache" durchgesetzt, wodurch das Verständnis der vielen unterschiedlichen Systeme untereinander etwas erleichtert werden kann.
Die Techniken sind mit ihren japanischen Bezeichnungen
hier zu bekommen.

Hinsichtlich der von uns verwendeten japanischen/deutschen Trainingskleidung ist zu sagen, dass diese Kleidung für den praktischen Trainingsbetrieb unserer Auffassung und Erfahrung nach geeigneter ist als die chinesischen Kung Fu Anzüge mit den geflochtenen Knöpfen oder das Training nur in Hose und T-Shirts.

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11. Gibt es im Chen Tao Wushu Schulregeln wie die japanischen Dojokun?

In allen traditionellen Kampfstilen und -systemen gibt es Regeln für den Trainingsbetrieb und auch für das Verhalten außerhalb des Trainings. Das ist allein schon erforderlich, um das Verletzungsrisiko so gering wie möglich zu halten und darüber hinaus den Lernfortschritt optimal zu ermöglichen. Darin unterscheidet sich der Kampfkunstunterricht nicht von einem normalen Schulunterricht. Verhaltensregeln außerhalb des Trainings sind in einem bestimmten Rahmen auch erforderlich, um einem Missbrauch der Kampftechniken zu vermeiden. Im Kwoon Kerken-Geldern e. V. gilt, wer verantwortlich an einer Schlägerei beteiligt ist, was also nicht durch eine Notwehrsituation gerechtfertigt ist, muss den Verein verlassen. Es gibt bei uns aber keine fest aufgeschriebenen Regeln entsprechend den klassischen Dojukun, die zu Beginn eines Trainings wie ein Fahneneid aufgesagt werden (müssen). Das lehnen wir ab. Umgangs- und Verhaltensregeln müssen für einen ordnungsgemäßen und effektiven Trainingsbetrieb sein, aber auch einen inhaltlichen und allgemeinverständlichen Sinn haben; militärische Regeln wie Sprechverbote und Unterwürfigkeitsrituale gibt es bei uns nicht.
Es ist sicherlich so, dass derartige Regeln und Verhaltensformen im Asien der Vergangenheit, vielleicht auch heute noch, erforderlich und verbreitet gewesen sind oder auch noch sind, aber nach unserer Auffassung passt so etwas nicht nach Europa und nicht ins 21. Jahrhundert. Es macht für uns auch keinen Sinn, etwas zu zelebrieren, nur weil es alt und überliefert ist, wenn die Inhalte uns fremd und nicht wirklich erforderlich sind.
In unserem Verein, aber auch in den befreundeten Vereinen, herrscht eine freundliche, respektvolle Atmosphäre, die stringente, bis ins letzte Detail ausgearbeitete und unumstößliche Regeln nicht erforderlich machen. Wir vermitteln unseren Schülern die erforderlichen Umgangsregeln außerhalb und innerhalb des Trainings ohne derartige Hilfsmittel. Bei allem Sinn für Etikette und Tradition, darf man nicht vergessen, dass wir Breitensport betreiben und das Training auch von Freude und Spaß an der Bewegung geprägt sein sollte, umso die körperlichen und geistigen Anstrengungen auch auf Dauer durchhalten zu können.

Selbstverständlich haben die verschiedenen klassischen Dojukun, z. B. die 20 Regeln von Gichin Funakoshi, ihre Berechtigung und auch ihre Bedeutung, aber Regeln, die den Lehrer gottähnlich erhöhen und die Schüler erniedrigen, sind für uns nicht akzeptabel und werfen nach unserer Auffassung ein entsprechendes Licht auf den jeweiligen Lehrer oder Schulleiter.

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12. Welche Beziehungen bestehen zum Sifu Tze Prinz Dschero Khan Chen Tao Tze?

Sifu Tze Prinz Dschero Khan Chen Tao Tze, mit niederländischem Namen Gerard Karel Meijers, ist der Begründer unserer Kampfkunst in Europa. Daher hat Sifu Tze das Trainings- und Übungssystem im Kwoon Kerken-Geldern e. V. bis hin zur Namensgebung maßgeblich beeinflusst und ist Ehrenmitglied unseres Vereins.
Wir haben einen sehr intensiven und persönlichen Kontakt zu ihm und können durch unsere Mitgliedschaft in der World Martial Arts Association and Physical Education (WMAA.PE) an Lehrgängen, Seminaren, Trainingseinheiten und Gürtelprüfungen unter seiner Leitung teilnehmen.

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13. Wird im Chen Tao Wushu auch mit Waffen trainiert?

Das ist von Verein zu Verein verschieden und hängt in erster Linie von den persönlichen Vorlieben der leitenden Schwarzgurte ab. Im Kwoon Kerken-Geldern e. V. umfasst das Waffentraining das Training mit Lang- und Kurzstock, Tonfa, Messer sowie dem chinesischen Säbel, es hat aber im gesamten Trainingsverlauf eine eher untergeordnete Bedeutung.
Wir vertreten die Auffassung, dass das Waffentraining erst dann Sinn macht, wenn die Grundlagen im waffenlosen Training in ausreichendem Umfang gelegt wurden. Daher wird bei uns das Waffentraining eher zur Abrundung der Ausbildung angesehen denn als eigenständiges Übungssystem.
An dieser Stelle möchten wir darauf hinweisen, dass wir die waffenlosen Abwehrtechniken gegen bewaffnete Angriffe nur zur Vervollständigung des technischen Repertoire üben; zur realistischen Selbstverteidigung gegen bewaffnete Angriffe sind die uns bekannten waffenlosen Techniken nach unserer Auffassung allesamt nicht geeignet. Da diese Techniken aber landauf und landab geübt werden und aus den Schwarzgurtprüfungsprogrammen der verschiedenen Verbände anscheinend nicht wegzudenken sind, üben wir diese Techniken eher unter sportlichen Gesichtspunkten.

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14. Kampfkunst (-sport) und Gewalt:

Zunächst einmal kann die Frage, ob die langjährige praktische Beschäftigung mit einer Kampfkunst oder dem darin enthaltenen Kampfsport aggressives Verhalten hervorbringt oder fördert, nach unserer Auffassung verneint werden. Es gibt bereits seit längerem wissenschaftliche Untersuchungen, die belegen, dass durch anhaltendes langjähriges und intensives Training in einer Kampkunst genau das Gegenteil eintritt.
Wie erklärt sich diese Wirkung?
Zuvorderst ist das Training in jedweder Kampfkunst oder Kampfsportart eine körperlich sehr anstrengende Sache. Leute, die hart und intensiv trainieren und so dann auch sehr intensive körperliche Erfahrungen mit Kampftechniken und -situationen machen, entwickeln eine Friedfertigkeit und Aggressionslosigkeit, weil sie sich im Training auspowern und ausleben können. Diese Quintessenz ziehen wir jedenfalls aus den wissenschaftlichen Untersuchungen.
Durch das langjährige Training kann entsprechendes Selbstvertrauen auch in die eigenen körperlichen Möglichkeiten aufgebaut werden und so können Kampfsportler auch in schwierigen Situationen zumeist Ruhe und Überblick behalten, was Provokationen erschwert. Dadurch geraten sie seltener in bedrohliche Situationen. Und sollte dies dennoch geschehen, können sie auf die erlernten Kampftechniken zurückgreifen, wenn sie den entsprechenden Fertigkeitsstand haben. Dass Anfänger sich deutlich überschätzen können, ist verständlich, sollte aber durch vernünftiges Training vermieden werden können. Fortgeschrittene, wir können hier nur für die Mitglieder in unserem Verein sprechen, verfügen meistens über entsprechende kämpferische Fähigkeiten, die ihnen eine wirksame Verteidigung ermöglichen.
An dieser Stelle sollen bewusst keine pseudojuristischen Ausführungen über Notwehr-rechte und -situationen gemacht werden, weil sie u. E. am Kern der Selbstverteidigung vorbei gehen. Nach unserer Auffassung, und so verstehen wir auch unser Rechtssystem, ist niemand verpflichtet, sich widerrechtlich angreifen oder verletzen zu lassen. Und wir meinen auch, dass von niemandem erwartet werden kann, dass in einer Selbstverteidigungssituation zunächst ein juristisches Gutachten über die zulässige Notwehr angefertigt wird. Ebenso wenig können nach unserer Erfahrung gerichtsfeste Standardsituationen geübt oder Patentrezepte ausgegeben werden. Jede Selbstverteidigungssituation ist einzigartig und individuell und auch als solche zu behandeln. Im Chen Tao Wushu reagieren wir im Training auf einen oder mehrere Angriffe und versuchen, diese zu beenden. Dafür tun wir alles Erforderliche und üben das auch im Rahmen des Möglichen so realistisch wie möglich.
Von wenigen Ausnahmen abgesehen, gehen nach unserer Kenntnis Aggressionen nur sehr selten von Kampfsportlern aus. Ein hohes Ziel aller traditionellen Kampfkünste und -sportarten, ist die Erlangung einer inneren Ruhe, und das in jeder Situation. Nur wer auch in Krisensituation möglichst ruhig ist, kann angemessen und richtig reagieren.
Wir möchten an dieser Stelle auch darauf hinweisen, dass Chen Tao Wushu als Kampfkunst nach unseren Begriffen wesentlich mehr beinhaltet als die bloße Selbstverteidigung. In erster Linie ist Kampfkunst eine Schulung, ein Lebensweg und damit eine Art, sein Leben zu führen. Dazu gehört auch die Selbstverteidigung, aber auch die persönliche Entwicklung und Weiterentwicklung.
Es gibt genügend Kampfstile, die sich der reinen Selbstverteidigung verschrieben haben, häufig mit militärischem, aber häufig auch mit rein kommerziellem Hintergrund. Dort werden nur Selbstverteidigungstechniken gegen alle möglichen Angriffe, auch bewaffnet, trainiert. Kampfkunst im Sinne einer individuellen Persönlichkeitsentwicklung findet dort allerdings nur in den seltensten Fällen statt, gehört aber auch nicht zu den erklärten Zielen. Wer ausschließlich an Selbstverteidigung interessiert ist, ist in derartigen Vereinen und Schulen besser aufgehoben als bei in einer traditionell ausgerichteten Kampfkunstschule oder -verein.
 

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